Kino ist Kunst im Juli

Sonntag, 4. Juli 2021
Neuneinhalb im Gerberhaus, Gerberplatz 1, Bayreuth

KINO IST KUNST - unser Auftakt im Kunst- und Kulturhaus NEUEINHALB! Für die Zeit der Sanierung der Kämmereigasse 9 1/2 hat der Verein Neuneinhalb e.V. ein neues Domizil gefunden: das ehemalige Podium im Gerberhaus. Hier entstand in den letzten Monaten ein Ort für Konzerte, Kino, Lesungen, Theater, Ausstellungen, Workshops und vieles mehr. Auch wir haben für unsere Filmvorstellungen in der Neuneinhalb im Gerberhaus einen neuen Spielort gefunden - Kino ist Kunst ist nur der Anfang! Mehr Informationen gibt es unter www.neuneinhalb.org.

Das Programm:

SONNTAG, 4. JULI
17:00 Uhr | Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien*
20:00 Uhr | David Lynch: The Art Life (OmU)*

* mit Vorfilm

 

Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien

Christoph Schlingensief, 2010 mit 49 Jahren verstorben, hat ein künstlerisches Werk geschaffen, das in seiner Art und Wirkung unvergleichbar ist. Die renommierte Filmeditorin Bettina Böhler unternimmt in ihrem virtuos montierten und ungemein unterhaltsamen Regiedebüt den Versuch, den Ausnahmekünstler in seiner ganzen Bandbreite zu zeigen - vom Filmemacher im Kunstblutrausch über den Bühnenrevoluzzer von Berlin und Bayreuth bis hin zum Bestsellerautor.

Mit seinen „Heimatfilmen“, seinen Aktionen und Interventionen in Theater, Fernsehen, Oper und Kunst hat der Regisseur Christoph Schlingensief über zwei Jahrzehnte den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland mitgeprägt. „SCHLINGENSIEF – In das Schweigen hineinschreien“ von Bettina Böhler unternimmt als erster Film den Versuch, den Ausnahmekünstler Schlingensief, der 2010 im Alter von nur 49 Jahren verstarb, in seiner ganzen Bandbreite zu dokumentieren.

Der Fokus des Films ist Schlingensiefs Auseinandersetzung mit Deutschland. Sein Verhältnis zu diesem Land war sehr widersprüchlich: Einerseits verspürte er eine Verbundenheit mit den Menschen und Orten seiner Herkunft, seiner Kernfamilie und so etwas wie „Heimat“, andererseits rebellierte er gegen sie – auch gegen den Kleinbürger in sich selbst – und provozierte bis hin zur Forderung „Tötet Helmut Kohl“ auf der documenta X 1997. Dass er 2004 in Bayreuth, dem deutschesten Ort der Hochkultur, Richard Wagners Erlöser-Oper „Parsifal“ inszenieren durfte, und später die Einladung erhielt, den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu gestalten, erfüllte ihn auch mit Stolz, weil er erkannte, dass die Hassliebe zu seinem Land doch noch mit Anerkennung erwidert wurde.

„SCHLINGENSIEF – In das Schweigen hineinschreien“ ist ein Montage-Film der Editorin Bettina Böhler, die zwei seiner wichtigsten Filme, „Terror 2000“ und „Die 120 Tage von Bottrop“ geschnitten hat. Ihr Film besteht aus sehr umfänglichem Archivmaterial aus vier Jahrzehnten: Ausschnitte aus seinen Spielfilmen, Theateraufzeichnungen, Aktionen, Fernsehproduktionen, Privataufnahmen und Auftritten in Talkshows. Erzähler ist Schlingensief selbst.

D 2020, 124 Min., FSK: 12, R: Bettina Böhler | Trailer bei Youtube

am Sonntag, 04.07. um 17.00 Uhr

David Lynch: The Art Life

Die Doku ist eine persönliche Reise zu den künstlerischen Wurzeln und prägenden Phasen des jungen David Lynch – eine Reise durch idyllische Kindheitsjahre in einer amerikanischen Kleinstadt und in die düsteren Straßen von Philadelphia. Auf dieser Reise beschreibt Lynch einzelne Stationen seines Lebens, die maßgeblich zu seiner Entwicklung beigetragen haben. Ein vielschichtiges und sehr sensibles Bild des Künstlers, auch jenseits des gefeierten Independent-Regisseurs.

„DAVID LYNCH: THE ART LIFE“ ist eine persönliche Reise zu den künstlerischen Wurzeln und prägenden Phasen des jungen David Lynch – eine Reise durch idyllische Kindheitsjahre in einer amerikanischen Kleinstadt und in die düsteren Straßen von Philadelphia. Auf dieser Reise beschreibt Lynch einzelne Stationen seines Lebens, die maßgeblich zu seiner Entwicklung zu einem der rätselhaftesten Regisseure des zeitgenössischen Kinos beigetragen haben.

Hoch oben in den Hollywood Hills gewährt David Lynch einen Einblick in seine Residenz, sein Atelier und die Geschichten der Vergangenheit. Rätselhafte Gestalten tauchen auf, verschwinden und werden Teil seiner künstlerischen Arbeit. David Lynch spricht offen über Ängste, Missverständnisse, Kämpfe, die er durchlebt und überwunden hat, über die Dämonen seiner Kindheit sowie die zahlreichen Menschen, die ihn geprägt haben. Schon sehr früh sieht Lynch die Welt mit anderen Augen, er sucht ihre Schatten und schafft daraus eine traumähnliche Verworrenheit, mit der er den Zuschauer fesselt und in seinen rätselhaften Bann zieht.

USA/DNK 2016, 88 Min., FSK: 0, R: Jon Nguyen, Rick Barnes und Olivia Neergaard-Holm | Trailer bei Youtube

am Sonntag, 04.07. um 20.00 Uhr im engl. Original mit dt. Untertiteln

Eintritt und Reservierung im Gerberhaus

Eintritt: 5 Euro, Kinder 3 Euro
nur Tages-/Abendkasse, Plätze werden vor Ort zugewiesen. Die Bestuhlung erfolgt Corona-konform mit Abstand, zudem sorgt die Lüftungsanlage im Haus für gute Luft. Im gesamten Haus herrscht FFP2-Maskenpflicht, auch am Platz. Einlass ist ca. 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

Aufgrund der sehr begrenzten Platzkapazität empfehlen wir euch dringend, vorab Karten zu reservieren, per E-Mail an reservierung@kino-ist-programm.de. Vor Ort nutzen wir die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung.

Unser Jahresthema 2021:

1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Aus diesem Anlass wurde ein bundesweites Erinnerungsjahr initiiert, welches jüdisches Leben für alle Interessierten authentisch sichtbar und erlebbar machen soll. Im Zentrum der Programmüberlegungen steht "Erinnern und leben". Das heißt, wir werden unsere Vergangenheit und die Verbrechen an jüdischen Mitbürgern nicht vergessen. Aber auch das gegenwärtige und das zukünftige Zusammenleben interessieren uns. Wie geht es jungen, wie geht es alten jüdischen Menschen? Leben wir wirklich gemeinsam? Oder können wir im gegenseitigen Verständnis noch weiter aufeinander zugehen. Lernen wir uns besser kennen.

Dazu beitragen wird die Filmreihe "Kino Spezial", in der das Kulturamt der Stadt Bayreuth in Zusammenarbeit mit Kino ist Programm einmal monatlich zu einem kostenlosen Kinoerlebnis einlädt. Gezeigt werden Dokumentar- und Spielfilme die uns Themen, Blickwinkel und Lebenswelten von jüdischen Menschen aller Lebensalter näher bringen. Am Sonntag, dem 6. Juni, startet die Filmreihe nun verspätet im Historischen Sitzungssaal im Kunstmuseum.

Auf Grund des begrenzten Platzangebotes und der Hygieneauflagen wird eine vorherige Anmeldung im Kulturamt der Stadt Bayreuth unter 0921-50720164 oder kulturamt@stadt.bayreuth.de, mit Angabe der Anzahl der Besucher und deren entsprechenden Kontaktinformationen, erbeten.

KUNSTMUSEUM, Maxstraße 33, 95444 Bayreuth
Im gesamten Gebäude und am Sitzlatz herrscht Maskenpflicht. Im Haus gilt ein Einbahnstraßensystem. Zugang ist über die Kämmereigasse, dort befindet sich eine Desinfektionsstation, von dort geht es mit dem Fahrstuhl in den ersten Stock. Einlass ist nur mit aktuellem negativem Test, vollständig geimpft oder nachweislich genesen möglich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, für Ihre und unsere Gesundheit.

SONNTAG, 6. JUNI
11:00 Uhr | Oma & Bella
14:00 Uhr | Kiss me kosher

Der Eintritt ist frei!

 

 

Oma & Bella

Regina und Bella sind seit Jahrzehnten Freundinnen und teilen seit fünf Jahren eine Wohnung in Berlin Charlottenburg. Die beiden betagten Großmütter plaudern mit typisch jiddischem Humor über ihre Freundschaft, ihre gemeinsame Leidenschaft fürs Kochen sowie ihre ereignisreiche Vergangenheit.

Regina Karolinski und Bella Katz haben eine besondere Wohngemeinschaft in Berlin-Charlottenburg: Die beiden in Vilnius und Katowice geborenen jüdischen Frauen haben den Holocaust überlebt, sich in der Nachkriegszeit ein neues Leben in Deutschland aufgebaut, ihre Männer verloren und dann eine gemeinsame Leidenschaft entdeckt – das Kochen. In ihrer Charlottenburger Wohnung bleibt die jiddische Küche lebendig – Hühnersuppe, Roter Borschtsch und Hagelzuckerkekse.

Eigentlich wollte Alexa Karolinski, Reginas Enkelin, ein Kochbuch mit Reginas und Bellas Rezepten zusammenstellen. Immer wieder war sie bei ihnen zu Besuch, folgte den Frauen durch die Küche und stellte Fragen. Aber während sie versuchte, „Handvoll“ und „Schuss“ in Gramm und Milliliter, „Tellervoll“ in Portionen und „bis es gut aussieht“ in Kochzeiten zu übersetzen, kamen plötzlich Geschichten zum Vorschein, die vom Leben und Überleben der europäischen Juden im letzten Jahrhundert erzählen. Schnell wurde klar, dass es mehr als ein Kochbuch braucht, um Oma und Bella gerecht zu werden. Und daher beschloss die junge Filmemacherin, die beiden ein Jahr lang mit der Kamera zu begleiten. Der Film beobachtet sie bei ihren täglichen Routinen, lauscht ihren Gesprächen über Identität, Zusammenhalt und Heimat. Essen, so wird deutlich, bedeutet Erinnern, Liebe und Gegenwart.

D 2012, 76 Min., R: Alexa Karolinski, FSK: 0 | Trailer bei Youtube

am Sonntag, 06.06. um 11.00 Uhr | Kunstmuseum Bayreuth

Kiss me kosher

Die quirlige jüdische Großmutter Berta und ihre nicht weniger leidenschaftliche Enkelin Shira streiten inniglich über die Liebe und darüber, was Frau darf und was nicht. Vor allem als sich ihre geliebte Enkeltochter ausgerechnet für Maria, eine Deutsche, entscheidet. Die beiden jungen Frauen machen richtig ernst – sie wollen heiraten. Ein witziger, temporeicher Culture-Clash über Liebe, Vorurteile und verrückte Familien.

Die quirlige jüdische Großmutter Berta und ihre nicht weniger leidenschaftliche Enkelin Shira streiten inniglich über die Liebe und darüber, was Frau darf und was nicht. Vor allem als sich ihre geliebte Enkeltochter ausgerechnet für Maria, eine Deutsche, entscheidet. Die beiden jungen Frauen machen richtig ernst – sie wollen heiraten. Das Chaos ist perfekt, als die Eltern von Maria aus Deutschland auf die Mischpoke in Jerusalem treffen. So unterschiedlich beide Familien sind, so einig sind sich alle in einem Punkt: Die Hochzeit muss geplant werden! Nur eine versucht mit allen Mitteln diesen Bund des Lebens zu verhindern – Berta. Für sie ist eine Ehe zwischen einer Israelin und einer Deutschen ein Ding der Unmöglichkeit. Obwohl auch sie mit dem Palästinenser Ibrahim ein recht unkonventionelles Liebesglück gefunden hat, das sie im Gegensatz zur lebensfrohen Enkeltochter vor der Familie verheimlicht. Aber wie lange kann das noch so gutgehen?

Mit einem liebevollen Blick auf ihre Filmfiguren und frei von gesellschaftlichen oder religiösen Konventionen vereint die israelische Regisseurin und Autorin Shirel Peleg in KISS ME KOSHER Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Vor der wunderschönen Kulisse Israels spielt der Film herrlich unkoscher mit gängigen Klischees in der Liebe, Religion und dem deutsch-israelischen Verhältnis, um diese lässig und pointiert zu demaskieren. Die intelligenten Dialoge mit reichlich Wortwitz und Herz machen den Debütfilm Pelegs zu einem wunderbaren Feel-Good-Film.

D/Israel 2020, 106 Min., R: Shirel Peleg, FSK: 12 | Trailer bei Youtube

am Sonntag, 06.06. um 14.00 Uhr | Kunstmuseum Bayreuth